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Kaffeeküche Thema

Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft

Punkt für Punkt zum Neubau

Vor einem Jahr, im Januar 2011, wurde Aktion Kaffeekasse offiziell ins Leben gerufen. Seither haben machen mehr als 20 Unternehmen mit bei der Spendenaktion zugunsten des Neubaus einer Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung. Sie verbinden den Kaffee am Arbeitsplatz mit eine kleinen Spende für einen Arbeitsplatz in der neuen Werkstatt. Stück für Stück kommt so ein größerer Betrag zusammen. Im ersten Jahre ihres Bestehens kletterte das Spendenbarometer der Aktion Kaffeekasse auf 7340 €.

Insgesamt braucht der Träger der neuen Werkstatt, die Praunheimer Werkstätten gGbmH, ca. 2 Mio Euro, um den Eigenanteil am Bau zu finanzieren. Die Stiftung Praunheimer Werkstätten untersützt den Träger in der Spendenaquise nach Kräften. Bislang konnte sie rund 760.000 € aquirieren. Für nur einen der insgesamt 240 neuen Arbeitsplatz braucht es ca. 8333 €.

Um die Fortschritte  der Spendenentwicklung darzustellen, hat die Stiftung Praunheimer Werkstätten ein „Punktometer“ entwickelt. Er besteht aus 240 Punkten. Sobald ein Spendenvolumen eingeht, das einem 240stel des Eigenanteils entspricht (ein Arbeitsplatz), wandelt sich ein grauer Punkt des Punktometers in einen bunten „Neubaupunkt“. Je mehr farbige Punkt zu sehen sind, desto näher ist das Ziel, die neue Werkstatt bauen zu können.

Alle Neubau-Punkte sind von Beschäftigten der Werkstatt Praunheim im Mal-Atelier der Werkstatt extra für das Punktometer gestaltet worden. In unterschiedlichen Techniken (Acryl, Aquarell, Wachskreide) wurden zum einen vorgestanzte Kartons bemalt; zum anderen wurden mit einer Schablone Ausschnitte aus vorhandenen Werken gewählt und auf das Kreisformat zugeschnitten. In dieser Technik hat besonders Michael Neff eine Reihe wunderschöner Neubau-Punkte geschaffen.

Auch Aktion Kaffeekasse hat bald den ersten Neubau-Punkt von grau in bunt verwandelt. Besonderen Dank gilt daher allen engagierten Mitarbeitern und Kollegen dieser Unternehmen:

944935_red_mug_and_coffeeBeratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung Frankfurt mbH
Sekretariat Arnoul & Möller, Frankfurt
B&O Service GmbH Frankfurt
Vermessungsbüro Wittig + Kirchner, Bad Homburg   
Vermessungsbüro Liermann,
Siedlerverein Praunheim e.V.
Lufthansa, Abteilung IT, Frankfurt
Wohnbaugenossenschaft in Frankfurt e.G.
Kinderbande e.V., Frankfurt
Bauunternehmen Wingenfeld, Fulda
Dechert & Blümig, Gießen,
Stadt-Land-Natur Landschaftsarchitektur, Wiesbaden
Grimmer&Toussi GmbH, Frankfurt
Terra Immobilien e.K., Frankfurt
CSE Unternehmensberatung, Mainz
Museum Fluxus, Potsdam
MVB, Frankfurt
Planungsbüro Donath, Neu-Isenburg
Die Kleine Fabrik, Frankfurt

Sowie allen einmaligen Spendern: Allianz Deutschland AG Betriebsstätte Frankfurt, Herr oder Frau Buhl, Frau Sigrid Rippert, Adsumus GmbH, Frau Marion Kroth, Herr Markus Müller

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Die Werkstatt auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt

Mehr als schenken

Geschenke, Geschenke. Netter, teurer, ausgefallener, individueller als voriges Jahr sollen sie sein. Und oft genug für Menschen, die sowieso schon alles haben.

Etwas Schönes und Besonderes bieten Ihnen die Praunheimer Werkstätten (pw°) auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. Verschenken Sie dieses Jahr mal eine gute Tat zum Anfassen oder eine sinnvolle Unterstützung zum Hinhängen. An dem Stand zwischen Nikolaikirche und Schirn gibt es Geschenk-Ideen, mit denen man mehr erwirbt als ein reines Werkstück. Der Kauf von Produkten aus der Werkstatt ist eine Anerkennung der Arbeit von Menschen mit Behinderung. Der Kauf eines Kunstproduktes unterstützt darüber hinaus direkt den Neubau der Werkstatt für Menschen mit Behinderung.


Klassisch: Holzspielzeug
Die kennt jeder: Beißringe, Nachziehtiere, Autos usw. für die ganz kleinen Familienmitglieder. Die Beschäftigen der Werkstatt stellen pädagogisch wertvolles Spielzeug aus Holz her. Und für größere Kinder zwischen 9 und 99 auch verschiedenste Gesellschafts- Brett- und Knobelspiele. Das schönste Geschenk ist sicherlich, mit dem „Mensch-ärgere-dich-nicht“ auch gleich die Einladung zu einem gemeinsamen Spieleabend zu verschenken.

 

Ästhetisch: Kunst Dezember
Kreativ, originell, ausdrucksstark. In der Malwerkstatt der pw° entstehen Kunstwerke, die durch Qualität und Ausdruck beeindrucken. Einige der Teilnehmer der Malwerkstatt haben sich als Künstler einen Namen gemacht und stellen ihre Werke sogar europaweit aus. Viele ihrer Bilder sind zu kaufen und haben als Originale einen besonderen Wert.

Ansprechend: Kunst in Serie
“Kunst in Serie” ist ein Projekt, bei dem die Werkstatt-Beschäftigten Motive individuell gestalteten, drucktechnisch vervielfältigen und einzeln rahmen.  Fertig ist ein Kunstdruck in handlichem Format und limitierter Auflage. „Kunst in Serie“ ist die ideale Alternative zu den oft viel größeren Originalen.

 


kalender2012Pfiffig: Kunstkalender
Jährlich erscheint ein sorgfältig ausgestatteter und gedruckter Kunstkalender. Er präsentiert ausgewählte Werke aus den Mal-Ateliers und beeindruckt mit filigranen  Zeichnungen, eigenwilligen Collagen oder kraftvollen Gemälden. Ein echter Hingucker.

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Unkompliziert: Postkarten
Echte Handarbeit sind die Linolschnitt-Kunstkarten. Die Motive sind abgestimmt auf verschiedene Anlässe – z.B. für die Weihnachtszeit. Sie werden von den Beschäftigten entworfen, geschnitten, handgedruckt und konfektioniert. Eine Alternative sind pw°-Kunstkarten. Das sind handgearbeitete Klappkarten in hoher Papier- und Druck-Qualität und mit farblich abgestimmten Umschlägen. Jede ist ein Unikat.

 

Schmackhaft: Kochbuch
"Von Feigensenf und Rotweinkuchen – Ein kulinarischer Rundgang durch die Praunheimer Werkstätten“ - so der Titel des Kochbuchs der etwas anderen Art. Es enthält Rezepte, die unter den Mitarbeitern und Beschäftigten der Praunheimer Werkstätten gesammelt wurden. Deftige Frankfurter Gerichte finden sich hier ebenso wie raffinierte Delikatessen. Eine kleine Überraschung für alle Naschkatzen, Hobbyköche und Feinschmecker.

 

Originell: Spende
Für alle, die schon alles haben, denen aber der symbolische Wert des Schenkens wichtig ist: Verschenken Sie ein Spende zugunsten des Werkstatt-Neubaus. Zum Beispiel mit Aktion Kaffeekasse: ein kleines Päckchen Kaffee, hübsch verpackt, zusammen mit einer großen Spende.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Leistungsangebot der pw

Wir treten am Markt als ganz normale Dienstleister auf


pw_brosch80_190808_C-37Rund 160 Menschen arbeiten in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Praunheim. Fünf Arbeitsbereiche gibt es: Büroservice, Schreinerei, Konfektionierung und Montage, Gartenbau sowie Druck und Gravur. Die Beschäftigen werden ja nach ihren individuellen Fähigkeiten eingesetzt. Sie gewinnen an Selbstwertgefühl, weil sie einer wertschöpfenden Arbeit nachgehen. Und sie können ihre Fähigkeiten anhand der konkreten Aufgabenstellung und Arbeitsabläufe weiterentwickeln oder erhalten. Das ist vorrangiges Ziel der Werkstatt.

Dennoch: „…wir treten am Markt als ganz normale Dienstleister auf“, sagt der Leiter der Werkstatt, Siegbert Bogen. Die Leiter der Werkgruppen in den einzelnen Arbeitsbereichen sind deshalb auch Fachkräfte der jeweiligen Branchen, also bspw. Schreinermeister.
Was also sind die Dienstleistungen der Werkstatt?

Die Weihnachtspost erledigen lassen
pw_brosch80_190808_C-30Für Unternehmen bieten sich verschiedene Möglichkeiten, die Werkstatt als Dienstleister zu nutzen. Die hauseigene Druckerei und der Arbeitsbereich Büroservice bieten alles, um z.B. Weihnachts- und Neujahrsgrüße für Kunden und Geschäftspartner vollständig abzuwickeln zu lassen: individuelle Karten-Motive, Einbindung des Firmenlogos, Adress-Datenbank erstellen, personalisierte Textvarianten einschieben, Briefe konfektionieren und termingerecht versenden ….
Dazu können Aktenvernichtungs-  und Scan- und Archivierungsarbeiten an die Werkstatt abgegeben werden. Die Beschäftigen im Werkbereich Gartenbau pflegen Rabatten und machen die Grünflächen vor Ihrer Haus- oder Bürotür winterfest.
Auch neue Büromöbel können bei der Werkstatt in Praunheim bestellt werden, z.B. rollstuhlgerechte Arbeitstische. Auch Bänke, Regale oder Werbestählen für den Messeauftritt sind im Programm und werden nach individuellen Wünschen hergestellt oder bedruckt.

Geldwerte Vorteile
Aufträge an die Werkstatt zu vergeben, heißt, die soziale Unternehmensverantwortung über den eigenen Mitarbeiterkreis hinaus zu denken.
Dabei kommt es darauf an, die Werkstätten für Menschen mit Behinderung als in Frage kommender Dienstleister überhaupt im Blick zu haben. Preislich liegen die Werkstätten für ihr Angebot auf Marktniveau oder etwas darunter – z.T. durch den geringeren Umsatzsteuersatz, den sie veranschlagen können.
pw_brosch80_190808_C-29Doch nicht nur das. Aufträge an sie können auf die gesetzlich fällige Ausgleichssteuer angerechnet werden: Gem. § 71 SGB IX haben Arbeitgeber, deren Unternehmen mindestens 20 Arbeitsplätze aufweist, mindestens fünf Prozent schwerbehinderte Arbeitnehmer zu beschäftigen. Für jeden nicht besetzten Pflichtplatz ist gem. § 77 SGB IX eine monatliche  Ausgleichsabgabe zwischen 105 und 260 € – je nach Umsetzung der Pflichtquote – zu zahlen.
Beschäftigt ein Arbeitgeber 100 Mitarbeiter, müssen darunter also fünf schwer behinderte Personen sein. 
Rechnung 1 | Hat der Unternehmer jahresdurchschnittlich nur einen schwerbehinderten
Menschen beschäftigt (weniger als zwei Prozent der Belegschaft), muss er für die vier
nicht besetzten Pflichtplätze 4 x 260 = 1.040 € monatlich oder 12.480 € jährlich als Ausgleichsabgabe zahlen.
Rechnung 2 | Beschäftigt das Unternehmen jahresdurchschnittlich zwei schwerbehinderte Menschen (zwei bis unter drei Prozent der Belegschaft), sind im Monat 3 x 180 = 540 € bzw. 6.480 € im Jahr zu zahlen.
Rechnung 3 | Zählen jahresdurchschnittlich immerhin vier schwerbehinderte Menschen zur Gesamtbelegschaft von 100 Arbeitnehmern (drei bis unter fünf Prozent), kostet der nicht besetzte Platz immer noch 105 € im Monat bzw. 1.260 € im Jahr.

Bei Zusammenarbeit mit einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen können also 50 Prozent der in Rechnung gestellten Arbeitsleistung von der zu zahlenden Ausgleichsabgabe
abgerechnet werden.

Gute Erfahrungen
Unter den Unternehmen, die Aktion Kaffeekasse unterstützen, gibt es bereits Erfahrung mit den Werkstätten als Dienstleister. Und die sind rund um positiv.

So nutze die Taunus Sparkasse in der Vergangenheit Angebote des Büroservice und war mit Qualität, Verlässlichkeit und Flexibilität der Praunheimer Werkstatt stets voll zufrieden.

Die BSMF beauftragte die pw° mit der Vernichtung sensibler Akten. Bereitstellung des Sicherheitscontainers und Entsorgung waren vollkommen unkompliziert und günstig.

2007_05_22_katalog_gesamt_pw_spielzeugkatalog_20071-68Persönlich und im doppelten Sinn sozial verantwortlich war die Idee des Vermessungsbüros Liermann: es spendete pädagogisch wertvolles Holzspielzeug aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Freuen konnten sich darüber Kinder eines nahe gelegenen integrativen Kindergarten, in dem auch Kinder mit Behinderung betreut werden.

Auch die Werkstatt in Praunheim bietet einige Möglichkeiten, mit Aufträgen oder dem Kauf von Produkten soziale Verantwortung und geschäftliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Wie wäre es z.B. mit einem pw-Kunstkalender als Geschenk für Geschäftspartner oder Kunden?

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Über den Kaffee

Tag des Kaffees

Was ist der Deutschen Lieblingsgetränk?
Bier, denk man vielleicht und hat das landesweite Importprodukt „Oktoberfest“ vor Augen.
Aber weit gefehlt! Es ist der Kaffee. Zumindest mengenmäßig liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee in Deutschland vor Bier und Wasser. 150 l pro Kopf und Jahr werden in Deutschland getrunken. Von rund 87% der Erwachsenen.

Grund für den Deutschen Kaffeeverband, die Interessenvertretung der Kaffeewirtschaft, seit 2006 einmal im Jahr den „Tag des Kaffees“ auszurufen. Dieses Jahr findet er am 30. September statt.

Aber was ist dran an der dunklen Bohne?

Kaffee als Handelsprodukt
Kaffee wird in Äquatornähe rund um den Globus angebaut. Bis er in die Tasse kommt, ist es nicht nur im übertragenen Sinne ein weiter Weg. Jährlich werden rund 129 Millionen Säcke á 60 kg Rohkaffee produziert. Brasilien ist, gefolgt von Vietnam und Kolumbien, größter und wichtigster Lieferant des Weltmarktes.
Um 500 g Kaffee zu erhalten, müssen 2,5 kg Kaffeekirschen, die Früchte des Kaffeestrauches, gepflückt werden. Das wird entweder mit Maschinen gemacht (Strip-Pflückung) oder mit der Hand, was sehr viel aufwendiger ist (aber auch höhere Qualität garantiert). Weil sie sich nicht lange halten, werden die Kaffeekirschen kurz nach der Ernte aufbereitet. Fruchtfleisch, Fruchthaut, Pergamenthaut, Silberhäutchen und Wasser wird von der eigentlichen Kaffeebohne entfernt, bevor sie sortiert gereinigt und verpackt werden. Handarbeit ist hier nach wie vor an der Tagesordnung, auch wenn für viele Arbeitsschritte Maschinen eingesetzt werden.

Dann erst wird die Rohkaffeebohne in die Verbraucherländer transportiert, wo sie geröstet, gemahlen und konsumiert wird. Doch von gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren die Kaffeebauern im globalen Süden nicht automatisch. Deshalb ruft das sozial-Siegel Transfair am Tag des Kaffees, 30. September 2011, zu „fairen Kaffeepausen“ auf. Im Rahmen der Aktion "Kaffee.Pause.Fair" sollen 500.000 Tassen Fairtrade-Kaffee bundesweit ausgeschenkt werden. Ziel dieses Weltrekordversuchs ist es, den Fokus auf den Fairen Handel mit Kaffee zu lenken. Durch Fairtrade erhalten die Kaffeebauern und ihre Kooperativen neben einem sicheren Preis eine zusätzliche Prämie für Gemeinschaftsprojekte, können die Qualität und Erträge ihrer Arbeit verbessern, wissen, was ihre Produkte am Markt wert sind und können sich in Vertragsverhandlungen besser behaupten. http://www.fairtrade-deutschland.de/index.php


Kaffee als Lifestyle-Produkt
Ursprünglich in Afrika beheimatet, hat sich Kaffee über die Jahrhundert auf der ganzen Welt durchgesetzt. Er ist bestes Beispiel für die mittelalterliche Form der Globalisierung. War sein Anbau und seine Kultivierung in den arabischen Ländern lange als Staatgeheimnis gehütet, wurde er im Zuge der Kolonialisierung auch in anderen Ländern eingeführt und entwickelte sich zu einem Produkt von weltwirtschaftlichem Rang - parallel zum steigenden Kaffeekonsum in Europa und Nordamerika. Das erste Kaffeehaus außerhalb Arabiens entstand 1554 in Konstantinopel und 1647 in Venedig.
Heute gibt es eine Vielzahl an Kaffee-Varianten: Café au lait, Caffè, Caffè latte, Cappucino, Mokka, Obermeier, Einspanner, Pharisäer, Wiener Eiskaffee … .
Aber es gibt auch verschiedene Landessitten: dass der schwedische Kokkaffe (Kochkaffee) so gut schmeckt liegt wahrscheinlich weniger am Geschmack selbst als am Ritual seiner Zubereitung. Grob gemahlener Kaffee wird zusammen mit dem Wasser in der Kanne aufgekocht (ob man den Kaffee ins kalte Wasser oder erst hinein schüttet, wenn selbiges kocht, darüber herrscht natürlich vortreffliche Uneinigkeit), dabei auf keinen Fall umrühren, das einmalige (!) Aufkochen reicht, schließlich ein Weilchen stehen lassen, bis das Pulver zum Kannengrund gesunken ist. Ordentlicher Kochkaffee braucht Zeit, die man auf dem Land, bzw. im Norden, wo der Kochkaffee (noch) zu Hause ist, aber im Überfluss hat. Außerdem: Je länger es dauert, desto größer die Vorfreude.

Kaffee als Genuss(-Gift)
tasse_mit_bohnenMehr als 800 Inhaltstoffe bzw. Verbindungen enthält der Kaffee, die sein Aroma ausmachen, aber auch für ihre Wirkung auf den Körper haben. Kaffee gehört zu den sehr gut erforschten Lebensmitteln. Allgemein wirkt er anregend und vitalisierend, was sich viele vor allem morgens zunutze machen. Aber auch seine verdauungsfördernde Wirkung auf den Darm ist bekannt. Auf die Muskulatur wirkt er leistungserhöhend, auf den Kreislauf anregend, auf das Gedächtnis leistungs- und reaktionserhöhend. Sogar die Parkinson’sche Krankheit scheint bei Kaffeetrinkern weniger schnell voranzuschreiten.
Anders als bei kohlendioxid-haltigen Getränken entfaltet sich die Wirkung des Kaffees etwas langsamer. Nach einer halben Stunde ist die maximale Konzentration im Blut erreicht und hält dann drei bis fünf Stunden an.
Aber nicht jeder fühlt sich nach der Tasse Kaffee stimuliert und leistungsbereiter. Wer dazu neigt oder besonderen Belastungen ausgesetzt ist, wie z.B. Schichtarbeiter, spürt eher Unruhe, Nervosität und Ruhelosigkeit oder sogar Schlafstörungen. Im Extremfall ist die Wirkung des Kaffees sogar tödlich - man nimmt allerdings an, dass schon zwischen 40 bis 240 Tassen Kaffee konsumiert werden müssen, bis es durch Kaffee (und nicht beispielsweise koffeinhaltige Arzneimittel oder andere Zubereitungsarten) dazu kommt.
Ist der Verbrauch nicht exzessiv, ist Kaffee trinken in der Regel auch kein Problem. Bewusst machen sollte man sich nur, dass die Inhaltstoffe des Kaffees in den Stoffwechsel des Organismus, insbesondere des Gehirns, eingebaut werden. Dort nehmen sie dann ihre Funktionen wahr – z.B. Anregung, verbesserte geistige Leistungsfähigkeit, Stimmungshebung.

Wer ausprobieren möchte, wie sehr er an dem „kleine Schwarzen“ hängt, kann ein einfaches allmorgendliches Experiment machen: Verzichten, bis man spürt, was fehlt - und dann realisieren, was täglich zugeführt werden muss


Quellen: Deutscher Kaffeeverband, www.deutscher-kaffeeverband.de
Prof. Dr. med. Volker Faust, www.psychosoziale-gesundheit.net
www.fairtrade-deutschland.de

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Sprache ist ein wichtiges Ausdrucksmittel


stiftung_aktuell_webAls die Autorin Nasrin Siege im September 2008 die Werkstatt Praunheim besuchte, um dort aus ihren Werken zu lesen, war das die Geburtsstunde für die "Schreibwerkstatt". Mittlerweile hat sich unter den Beschäftigten der Werkstatt eine Gruppe von Autorinnen und Autoren gebildet, die schreibend einen persönlichen Ausdruck finden. Sie treffen sich im Speisesaal der Werkstatt, arbeiten an ihren Texten, hören sich die Schöpfungen der anderen Beteiligten an und sprechen über ihre Texte. 2010 erhielten sogar zwei Arbeiten von Beschäftigen der Werkstatt Praunheim einen Preis beim bundesweiten Literaturwettbewerb des EUCREA e.V.

Unser Kooperationspartner, die Stiftung Praunheimer Werkstätten, gibt in Abständen einen Rundbrief heraus, der Neuigkeiten, Bemerkenswertes und Interessantes aus dem Werkstatt-Leben vorstellt. In der jüngsten Ausgabe dieser "Stiftung akutell" vom August 2011 geht es um das Thema Sprache und die "Schreibwerkstatt". Der Rundbrief enthält ein Interview mit  Rolf Foeller über die Entwicklung der Schreibwerkstatt, das hier mit freundlicher Genehmigung wiedergegeben wird:

„Sprache ist ein wichtiges Ausdrucksmittel“

Rolf Foeller, langjähriger pädagogischer Leiter der Werkstatt Praunheim, ist der Praunheimer Werkstätten gGmbH auch in der Altersteilzeit noch aktiv verbunden. Stiftung aktuell sprach mit ihm über sein Engagement für die Schreibwerkstatt.

Herr Foeller, vielleicht erzählen Sie zunächst etwas über die Entwicklung, die das „Schreiben in der Werkstatt“ im Lauf der Zeit genommen hat.

Gern. In den siebziger Jahren, als ich bei der pw anfing, wurde mit der Einzelförderung von Beschäftigten begonnen. Bis dahin war es hauptsächlich um die allgemeine Arbeitsleistung gegangen; nun fing a man an, sich um die individuellen Möglichkeiten zu kümmern, die jeder Beschäftigte mitbrachte. Da kamen dann nach und nach auch Kunst und Kultur mit ins Spiel.

Das heißt, die Werkstatt-Beschäftigten konnten kreativ tätig werden?

Ja, schon, aber in relativ engen Grenzen. Das Ganze war zunächst recht pädagogisch orientiert. Es waren eben keine Künstler in der Betreuung tätig sondern Mitarbeiter, die den Gedanken der Förderung und des Lernens in den Vordergrund stellten. Da wurden schon mal die Finger in einem Bild gezählt und entsprechend „korrigiert“. Die autonome künstlerische Entfaltung des Einzelnen stand noch nicht wirklich im Vordergrund.

Gab es zu der Zeit auch schon eine Art Schreibwerkstatt?

Nicht im heutigen Sinne. Neben dem bildnerischen Arbeiten haben wir angeboten, dass die Leute sich sprachlich betätigen können. Wir fanden das von Anfang an wichtig, weil die sprachliche Kommunikation im Arbeitskontext der Werkstatt doch recht reduziert, eher fachlich orientiert ist. Sprache ist aber für die meisten Menschen ein sehr wichtiges Ausdrucksmittel. Hier wollten wir Gelegenheiten schaffen, dass jeder sich in spielerisch-künstlerischer Weise entwickeln kann. Im Bereich der bildnerischen Angebote haben wir mit der Zeit die Pädagogen durch eher künstlerisch orientierte Betreuerinnen und Betreuer ersetzt. Da war es dann nicht mehr kritikwürdig, ob ein Kopf zu groß oder zu klein ist, oder ob ein dargestellter Mensch zwei oder drei Beine hat. Die Beschäftigten in den Malgruppen haben von dieser Umstellung sehr profitiert, denke ich.

Und wie war es im Bereich Schreiben?

Die große Veränderung dort begann, als im September 2008 die Schriftstellerin Narin Siege zu einer Lesung in die Werkstatt kam. Die zuhörenden Beschäftigten waren fasziniert –und uns Betreuer faszinierte, wie intensiv und konzentriert unsere Leute der Lesung folgten. Das nahmen wir zum Anlass, die Gründung der Schreibwerkstatt auszurufen und den Werkstattbeschäftigten anzubieten: Wollt ihr nicht selbst mal was schreiben, euch sprachlich mitteilen?

Und sofort waren alle von diesem Angebot begeistert?

Es gab zu Beginn eine Menge Interessierte. Manche dachten allerdings, in dem Kurs könne man Schreiben und Lesen lernen. Da mussten sich dann erst diejenigen finden, die kreativ schreiben wollten. Schließlich haben wir in kleinen Gruppen begonnen, haben mit Themen gearbeitet, die für den Einzelnen eine direkte Bedeutung haben, Lebensläufe beispielsweise. Nach und nach kamen immer mehr eigenen Themen dazu. Inzwischen sind eine ganze Reihe kleiner und kleinster Geschichten entstanden, auch Gedichte.

Die Schreibwerkstatt gehört inzwischen zum Werkstatt-Alltag?

Mehr oder weniger ja. Eine ganze Reihe Werkstatt-Beschäftigte beschäftigt sich mit dem Schreiben und kommt regelmäßig zu unseren Treffen, die während der Arbeitszeit stattfinden, weshalb sie von ihren Gruppenleitern für die Schreibwerkstatt freigestellt werden müssen. Uns fehlt allerdings ein passender Raum in der Werkstatt Praunheim, wo die Schreibwerkstatt beheimatet ist. In der Kantine, die wir für unsere Treffen nutzen können, sind wir nicht immer ungestört. Doch auch unter diesen Bedingungen wird geschrieben, fabuliert und dokumentiert. Wir sind sehr glücklich darüber, dass seit Anfang letzten Jahres die Lyrikerin Barbara T. Pohle zur Schreibwerkstatt gefunden hat und in betreuender Weise die so wichtige künstlerische Sichtweise in die Arbeit mit den Schreibwilligen einbringt. Wie in den Malateliers haben wir mit ihr ein Künstlerin zur Unterstützung, die nicht von der pädagogischen Seite kommt, sondern dem Medium und den individuellen Ausdrucksmöglichkeiten verpflichtet ist.

Das klingt sehr erfreulich. Kann auch die Öffentlichkeit von diesen Fortschritten profitieren?

Bisher nur im kleineren Rahmen. Teilnehmende an unserer Schreibwerkstatt haben aber auch schon Preise gewonnen – beim Literaturwettbewerb des UCREA e.V., einem Netzwerk für Künstler mit Behinderungen. Und wir erwägen zusammen mit der Stiftung Praunheimer Werkstätten eine Buchveröffentlichung, in der eine Auswahl der in der Schreibwerkstatt entstandenen Texte erscheinen soll.

Herr Foeller, das klingt nach einem arbeitsreichen Engagement für die Schreibwerkstatt. In der Einleitung zu diesem Interview haben wir Sie als Vorruheständler in Altersteilzeit vorgestellt. Von der Werkstatt wollen Sie aber doch nicht lassen?

Nicht so abrupt, von hundert auf Null. Ich freue mich, dass ich den Kontakt zu den Beschäftigten und Mitarbeiter weiter pflegen kann, mit einem moderaten Aufwand und in einem Bereich, der mir sehr am Herzen liegt.

Herr Foeller, vielen Dank für dieses Gespräch.

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Wohnbaugenossenschaft in Frankfurt (WBG)

Bei der Wohnbaugenossenschaft ist es wie bei Aktion Kaffeekasse: Jeder Beitrag hat Anteil am Ganzen.
Jeder Beitrag zählt.
Nicht zuletzt deshalb schloß sich die Wohnbaugenossenschaft in Frarkfurt am Main e.G. Aktion Kaffeekasse an. In der Geschäftsstelle in der Feuerwehrstraße wird fleißig gesammelt.

Interview mit Wolfgang Hoffmeister, Geschäftsführer der WBG

Was hat Sie überzeugt, Aktion Kaffeekasse im Büro der WBG einzuführen?
Ich habe die Notwendigkeit gesehen, die pw° zu unterstützen. Ohne Unterstützung wird sie es nicht schaffen, die Gelder für den Werkstatt-Neubau zusammen zu kriegen.

In der Geschäftsstelle der WBG arbeiten vier Mitarbeiter. Macht das etwas aus?
Nein. Wir sind zwar ein kleines Büro, aber auch kleine Beiträge können helfen. Schließlich sind wir nicht die einzigen, die für Aktion Kaffeekasse sammeln.

Wie setzten Sie Aktion Kaffeekasse um?
Der Kaffee ist in unserem Büro ansonsten kostenlos. 50 Cent pro Tasse fanden wir angemessen. Den Verbrauch erfassen wir mit einer Strichliste. Bei 10 bis 20 Strichen sammeln wir das Geld ein und überweisen.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert?
Alle fanden die Idee gut. Und waren froh, dass sich einer darum kümmert.
Oft ist es ja so: man möchte gern helfen, aber dann macht es doch keiner. Nimmt einer es in die Hand, dann geht es.

Mit Aktion Kaffeekasse zeigt sich die WBG sozial verantwortlich. Aber auch der Umgang mit Wohnraum ist Ausdruck soziale Verantwortlichkeit, vor allem vor dem Hintergrund, dass Frankfurt in Zukunft mehr Einwohner zählen wird. Was bedeutet das für Ihre Genossenschaft?
Die WBG baut ausschließlich Mietshäuser. Bei einem guten wirtschaftlichen Umfeld wie in Frankfurt können wir davon ausgehen, dass wir auch zukünftig alle Wohnungen vermieten  können. Für unser Anliegen ist es wichtig, dass wir nicht überteuerte, sondern bezahlbare Grundstücke für den Bau neuer Wohnungen erwerben können, damit darauf bezahlbare Wohnungen werden.
Darüber hinaus richten wir uns nach unseren älteren Mitgliedern, z.B. indem wir sie in für sie bessere Wohnungen umsiedeln oder bestehende Wohnungen speziell behindertenfreundlich sanieren. Wir sind stolz darauf, dass unser Wohnungsbestand in Ordnung und gepflegt ist.

 Im Zusammenhang mit der Sanierung von Bestandgebäuden wird oft von Gentrifizierung gesprochen, also dem Umstand, dass sich viele Leute die höheren Mieten nach einer Sanierungsmaßnahme nicht mehr leisten können. Wie ist das bei der WBG?
Die gesetzlichen Möglichkeiten, die Kosten einer Sanierung auf die Miete umzuschlagen, reizen wir nicht aus. Wir erhöhen die Mieten nur soweit, dass die Zinsen gedeckt sind. Das ist in der Regel moderat. Deshalb ist es für uns auch wichtig, möglichst zinsgünstige Kredite bekommen. Vor kurzem haben wir zum Beispiel 3 größere Häuser umfangreich energetisch saniert. Die gesetzlich zulässige Erhöhung wäre 220,00 € monatlich/je Wohnung. Durch den Einsatz zinsgünstiger Mittel und einer für uns tragbaren Wirtschaftlichkeit ergab sich eine Mieterhöhung von nur rund 45 € je Wohnung. Die Mieter in den Häusern aus den 50er Jahren haben nun energetischen Neubaustandard.

Auch „Gemeinsames Wohnen“ ist in den letzten Jahren immer mehr zum Thema geworden. Ist die WBG auch dahingehend aktiv?
Ja. auf dem Naxos-Gelände werden wir ein Haus für junge Familien bauen. Die Wohnungen haben flexible Grundrisse, so dass sie Veränderungen angepasst werden können, z.B. wenn die Großeltern hinzuziehen möchten.
Ich freue mich, dass wir eines der sechs Baufelder für genossenschaftliches Wohnen im Wettbewerb gewonnen haben. Das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen hatte dafür gekämpft, dass auf dem Gelände nicht nur Eigentumswohnungen entstehen, sondern auch neue Wohnformen einen Platz finden.

Können Sie sich vorstellen, dass schwerst-behinderte Menschen in einem der Mehrfamilienhäuser der WBG wohnen?
Natürlich. Wir haben uns damit schon beschäftigt. Vorstellbar ist, dass die WBG spezielle Räumlichkeiten schafft, die dann von einem Träger der Behindertenarbeit genutzt werden.

Was braucht es dafür?
Ein solches Projekt muss wirtschaftlich tragbar sein. Dafür braucht es ein bezahlbares Grundstück. Oder Fördermittel, wenn es um den Umbau von Bestand geht. Hohe Zinsen sind oft Fallstricke, durch die ein Projekt nicht mehr tragbar wird, auch wenn wir als Genossenschaft keine hohen Renditen erreichen müssen.

Was tut die WBG derzeit, um der Nachfrage nach Wohnraum für behinderte Menschen nachzukommen?
Wo es möglich ist, bauen wir unseren Bestand barrierefrei um, bzw. errichten diesbezügliche Neubauten. Viele unserer Mitglieder wohnen schon Jahrzehnte im gleichen Haus, sind im Alter aber pflegebedürftig geworden oder können die Treppen nicht mehr steigen. Sie können ihre Wohnungen dann weiter nutzen oder ziehen vom dritten Stock ins barrierefreie oder zumindest behindertenfreundlicheres Erdgeschoss. Das soziale Umfeld bleibt ihnen damit erhalten.

Ihre Genossenschaft ist in den letzten Jahren gewachsen. Was macht sie attraktiv?
Unserer Mitglieder sind nicht einfach Mieter, sondern Anteilseigner am Eigenkapital der Genossenschaft. Unabhängig von der Höhe ihres Anteils haben sie eine Stimme in der Hauptversammlung und können mitbestimmen.
Darüber hinaus fließen unsere Gewinne zurück in die Häuser: z.B. in neue Wohnungstüren, in Schall- oder Energiedämmung. Uns geht es um den Erhalt und die Verbesserung des genossenschaftlichen Eigentums.

Wie schätzen Sie die Zukunftsperspektiven von Wohnungsbaugenossenschaften ein?
Genossenschaften hatten lange Zeit einen altbackenen Ruf. Mittlerweile sind sie auch für jüngere Generationen attraktiv. Die Form der Nutzungsverträge wird sicher auch in Zukunft eine attraktive Alternative zwischen Miete und Eigentum sein.

Ihre Botschaft zur Aktion Kaffeekasse für andere:
Bei Aktion Kaffeekasse ist es wie bei den Genossenschaften: wir existieren durch die kleinen Beiträge der Menschen, die bei uns Mitglied sind. Jeder noch so kleine Beitrag hat Anteil am Gesamten. Deshalb sollen sich auch andere Genossenschaften der Aktion Kaffeekasse anschließen. Reihen Sie sich ein!

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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Allianz AG

Engagiert vor Ort - die Aktion Kaffekasse bei der Allianz Deutschland AG in Frankfurt

cafe-shop-allianzIn der Betriebsstätte Frankfurt der Allianz Deutschland AG  können die Kollegen einen Monat lang die Tasse Kaffee mit einer Spende für den Werkstatt-Neubau der Praunheimer Werkstätten gGmbH verbinden. Die Regionalleitung und der Betriebsrat organisierten die Aktion Kaffeekasse in der Cafeteria und im Mitarbeiterrestaurant des Unternehmens. Unter dem Motto „Kaffee trinken – Arbeitsplätze schaffen“ sind nun alle Kollegen dazu aufgerufen, sich mit einer Spende zu beteiligen.

Frau Mischlau-Meyrahn ist Betriebsrätin und hauptsächlich für die Durchführung der Aktion Kaffeekasse verantwortlich. Im Interview beantwortet sie einige Fragen zur Aktion Kaffeekasse in der Betriebsstätte Frankfurt der Allianz Deutschland AG:


Frau Mischlau-Meyrahn, wie sind Sie auf Aktion Kaffeekasse aufmerksam geworden?
Einer unserer Kollegen im Hause hatte über Aktion Kaffeekasse in der Zeitung gelesen. Er kam zu uns und sagte: „Das ist eine sinnvolle Sache. Das sollten wir auch machen“.

Wie war die Reaktion innerhalb des Betriebsrates zu Aktion Kaffeekasse?
Positiv. Als Betriebsräte wissen wir, wie wichtig sozialer Zusammenhalt und soziale Verantwortung füreinander ist. Diskutiert wurde lediglich der Umfang der Aktion.

Was hat Sie überzeugt, Aktion Kaffeekasse in Ihrem Unternehmen durchzuführen?
Wir wissen durch eigene, leidvolle Erfahrung wie wichtig der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen ist. Für leistungsgewandelte oder leistungsgeminderte Menschen ist es besonders schwierig einen Arbeitsplatz zu finden. Wir finden, alle sollten die Chance auf einen Arbeitsplatz haben. Deshalb engagieren wir uns für die Aktion Kaffeekasse.

Was gefällt Ihnen besonders an der Aktion?
Neben dem sozialen Zweck ist sie sehr einfach durchzuführen.

Wie hat die Regionalleitung reagiert?
Sie hat unser Engagement begrüßt und uns sofort ihre Unterstützung, auch finanziell, zugesichert. Aus unserer Aktion wurde eine gemeinsame Aktion.

Wie ordnet sich ein lokales Anliegen, wie die Aktion Kaffeekasse, in ein international wirkendes Unternehmen ein?
Das beruht auf lokaler Eigeninitiative!  Mit dem konzernspezifischen sozialen Engagement  hat Aktion Kaffeekasse in unserem Haus nichts zu tun. Es sind die Kollegen vor Ort, die sich für eine gute Sache stark machen.

Was mussten Sie bei der Organisation beachten?
Wir sind ein großes Unternehmen mit festen Strukturen. Dass sich der Kollege mit der Idee der Aktion Kaffeekasse an den Betriebsrat wandte, war genau richtig. Die örtliche Aktion
konnten wir mit unseren eigenen Kapazitäten flexibel und zeitnah durchführen. Mit der Unternehmenskommunikation in München haben wir lediglich die Verwendung des Allianz-Logos abgeklärt.

Wie führen Sie Aktion Kaffeekasse durch?
Für einen Monat haben wir an den Kaffeekautomaten in der Cafeteria die Preise um 5 Cent erhöht. Viele Kollegen trinken dort nach dem Mittagessen eine Tasse Kaffee zusammen.
Außerdem steht im Mitarbeiter-Restaurant für eine Woche die Spendendose der Aktion Kaffeekasse. So können sich auch diejenigen beteiligen, die eher Tee oder Wasser trinken.

Wie haben Sie Ihr Vorhaben gegenüber den Kollegen kommuniziert?
Wir haben allen eine Email geschickt und unser Anliegen erläutert. Außerdem haben wir Plakate gedruckt, die auf die Aktion hinweisen. Die entsprechenden Automaten haben wir mit Aufklebern gekennzeichnet.

Wie werden Sie mit dem gesammelten Geld verfahren?
Das Geld aus der Spendendose werden wir mit zwei weiteren Kollegen aus dem Haus zählen und überweisen. Die Abrechnung der Spendeneingänge aus den Kaffeeautomaten übernimmt unser Küchenchef. Er hatte sich auch sofort bereit erklärt, uns - nicht nur in diesem Punkt - zu unterstützen.

Was haben Sie nach Ablauf der Woche, bzw. nach Beendigung der „Laufzeit“ der Aktion Kaffeekasse vor?
Wir überlegen, ob wir den Zeitraum der Aktion nicht verlängern sollten.
Außerdem werden wir die Aktion Kaffeekasse anderen, befreundeten Betriebsräten aus der Region weiter empfehlen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Coffe-shop im Gebäude der Allianz AG in Frankfurt am Main.
Aus insgesamt drei Kaffeeautomaten können die Mitarbeiter nun Kaffee für einen guten Zweck trinken.
Plakate weisen auf die Aktion hin.

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B&O Service Frankfurt GmbH

 

Aktion Kaffeekasse in unserem Unternehmen




Kaffeegenuss und Spende auf Knopfdruck

Kaffee mit Milch? Mit Zucker? Oder doch lieber ein Cappuccino? In der Mitarbeiterküche der B&O Service Frankfurt GmbH gibt es Getränke auf Knopfdruck. Aus einem Kaffeeautomaten. Das Besondere: Mit jedem Getränk ihrer Wahl spenden die Mitarbeiter gleichzeitig 20 Cent für den Neubau der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Frankfurt-Praunheim.

Die B&O Wohnungswirtschaft GmbH ist ein führendes Unternehmen im Bereich der Gebäudemodernisierung und im Bestandsmanagement. Mehr als 30 regionale, eigenständige Unternehmen in ganz Deutschland bilden den B&O Verbund. Zu diesem gehört auch die Niederlassung in Frankfurt am Main. Sie beteiligt sich an Aktion Kaffeekasse. Für die Umsetzung hatten die Frankfurter eine besonders clevere Idee. Nach einem Umzug in neue Büroräume wurde für die Mitarbeiterküche ein Kaffeeautomat angeschafft. Pro Getränk zahlen die Mitarbeiter 20 Cent in den Automaten. Das Geld wird komplett für Aktion Kaffeekasse gespendet. Die Versorgung der Mitarbeiter trägt nach wie vor die Geschäftsführung.

Zuständig für Aktion Kaffeekasse im Unternehmen ist Herr Biehl, Leiter der Abteilung Service-Line und Fuhrpark.

Herr Biehl, Sie sind für die Umsetzung der Aktion Kaffeekasse verantwortlich. Wie sind sie auf die Idee gekommen, einen Kaffeeautomaten anzuschaffen?
Die Anschaffung eines Kaffeeautomaten hielt ich aus organisatorischen Gründen schon länger für wünschenswert. Als wir von Aktion Kaffeekasse hörten, hatte unser Geschäftsführer, Herr Schrön, sehr schnell die Idee, dass man beides gut miteinander verbinden könnte.

Wie sind Sie auf Aktion Kaffeekasse aufmerksam geworden?
Herr Wrenger von der BSMF hatte Aktion Kaffeekasse der Geschäftsleitung angetragen und diese wiederum uns Mitarbeitern. Wir haben uns daraufhin auf der Internetseite www.aktion-kaffeekasse.de informiert und fanden die Idee gut. Unser Geschäftsführer, Herr Schrön, hat sich die Praunheimer Werkstätten sogar persönlich angesehen und den Mitarbeitern davon berichtet.

Wie funktioniert das Ganze nun?
Wir haben einen Kaffeeautomaten mit Münzeinwurf angeschafft. Die Kosten für eine Tasse Kaffee belaufen sich auf 22 Cent. Die Geschäftsführung, Herr Schrön und Herr Henke, und ich hielten deshalb eine Betrag von 20 Cent pro Getränk für angemessen. Einmal im Monat leeren wir den Automaten und spenden die gesamte Summe für Aktion Kaffeekasse.

Es ist eine sehr konsequente Umsetzung der Aktion Kaffeekasse. Welchen Vorteil bietet diese Variante?
Der größte Vorteil ist, dass die Spenden quasi automatisch gesammelt werden. Wir haben damit keinen weiteren Aufwand. Vorteilhaft ist auch, dass unser Beitrag zu Aktion Kaffeekasse kontinuierlich ist. Das ist ganz im Sinne der Sache.

Wie war die Reaktion der Mitarbeiter?
Positiv, da das Geld zur Unterstützung einer guten Sache verwendet wird. Das fand allgemein Zuspruch.

Wie haben Sie die Mitarbeiter informiert?
Zur Einrichtung des neuen Automaten habe ich an alle eine Rundmail geschrieben. Darin habe ich das Anliegen erläutert. In der Kaffeeküche selbst habe ich den Flyer der Aktion Kaffeekasse ausgehängt und natürlich eine Liste, auf der wir die summierten Beträge für alle sichtbar eintragen.

Wer leert die Automaten-Kasse?
Die Automatenkasse leeren derzeit ich und eine Kollegin aus dem Sekretariat. Wir zählen das Geld gemeinsam. Abgeholt und überwiesen wird es in Zukunft von der pw°.

Was gefällt Ihnen besonders an Aktion Kaffeekasse?
Mit Aktion Kaffeekasse unterstützen wir ein Projekt vor der Haustür. Wenn ich nach Alt-Praunheim fahre, kann ich die Beschäftigten der Werkstatt direkt erleben. Das ist sehr real und greifbar und deshalb ein guter Grund, zu spenden.

Der Niederlassungsleiter denkt bereits darüber nach, welche Unternehmen er für Aktion Kaffeekasse gewinnen kann. Was ist Ihre Botschaft, für andere Firmen?
Sich Aktion Kaffeekasse anzuschließen ist eine menschliche Entscheidung. Hat man diese getroffen, findet sich auch eine praktikable Lösung der Umsetzung.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Vermessungsbüro Liermann

Wird der Mensch erkannt – oder wird die Behinderung erkannt? Was wissen Menschen ohne Behinderung von der Lebensrealität der Menschen mit Behinderung? In unseren Themen werfen wir einen Blick in unterschiedliche Bereiche des Alltags von Menschen „mit“ und „ohne“ …

 

Aktion Kaffeekasse in unserem Unternehmen

Interview mit Frau Liermann,

Vermessugnsbüros Liermann, Lampertheim


Frau Liermann in der Kaffeeküche Ihres Büros. Im Hintergrund die Spendendosen für Aktion Kaffeekasse.Frau Liermann, wie sind Sie auf Aktion Kaffeekasse aufmerksam geworden?
Unser Geschäftspartner, Herr Wrenger, hatte uns einen Brief geschrieben. Er erläuterte das Anliegen der Aktion Kaffeekasse. Wir waren sofort begeistert und sagten uns: Das machen wir auf jeden Fall.

Wie haben Sie Ihre Mitarbeiter davon unterrichtet?
Wir haben auf der wöchentlichen Teamsitzung über Aktion Kaffeekasse informiert und sie zur Abstimmung gestellt.

Wie war die Reaktion in der Mitarbeiterschaft?
Sehr positiv. Alle haben sich spontan dafür entschieden. Es wurde demokratisch abgestimmt, dass wir mitmachen.

Wie setzen Sie Aktion Kaffeekasse konkret um?
Wir haben sofort ein Sparschwein aufgestellt. Unsere Mitarbeiter hatten gemeinsam beschlossen, dass pro Getränk zwischen 20 und 50 Cent gespendet werden sollen, am besten am Ende des Tages, wenn jeder weiß wie hoch sein Verbrauch war. Außerdem wurde ein „Kassenwart“ bestimmt. Der leert am Monatsende die Kasse und zählt das gesammelte Geld. Im Prinzip macht die Mitarbeiterschaft alles selbständig.

Was war Ihnen dabei wichtig?
Wir haben unseren Mitarbeitern freigestellt, ob und wie sie sich an Aktion Kaffeekasse beteiligen wollen. Es ist eine freiwillige Aktion, die auf Überzeugung beruht.

Was tun Sie als Geschäftsleitung?
Wir runden die Beträge auf, die am Monatsende zusammenkommen. Dann überweisen wir.

Was hat Sie überzeugt, sich Aktion Kaffeekasse anzuschließen?
Der Umstand, dass es ein ganz konkretes Projekt vor der Haustür ist, das wir unterstützen. Wir wissen, wohin die Gelder gehen und können zusehen, was mit ihrer Hilfe entsteht.
Und wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe.

Was gefällt Ihnen besonders an Aktion Kaffeekasse?
Wenn ich 20 Cent in die Sammeldose werfe, mache ich mir jedes Mal bewusst, für wen und warum ich das tue.  Mit jeder Tasse Kaffee holen wir Menschen mit Behinderung ein Stück weit in unser alltägliches Leben. Das finde ich gut.

Was unterscheidet Aktion Kaffeekasse von anderen Spendenaktionen?
Oft spendet man einen mehr oder weniger großen Betrag an Geld. Das ist einfach, aber leider bleibt es dann dabei. Aber bei Aktion Kaffeekasse geht es darum, nachhaltig und kontinuierlich zu helfen

Warum halten Sie den Einsatz für den Neubau der Werkstatt für Menschen mit Behinderung für wichtig?
Jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit. Jeder möchte gebraucht werden. Auch Menschen mit Behinderung, denn das gibt dem Leben Würde und Sinn. Dafür braucht man einen geeigneten Arbeitsplatz, einen, der zugänglich ist, der genug Platz bietet und an dem man sich wohlfühlt. Schließlich verbringt man die Hälfte des Tages dort. Mit dem Neubau werden solche Arbeitsplätze entstehen.

Sie haben sich die Werkstatt persönlich angesehen. Was war ihr Eindruck?
Ich habe mir ein Bild machen können von der Palette der Leistungen, die erbracht werden und die für Unternehmen wie unseres interessant sein könnten. Vor allem habe ich gesehen, in welchem Zustand sich die Werkräume befinden und wie nötig ein Neubau ist. Ich war beeindruckt von dem, was sowohl die Beschäftigten, als auch die betreuenden Mitarbeiter leisten.

Wie wollen Sie den Werkstatt-Neubau über das Sammeln von Spendengeldern hinaus unterstützen?
Wir werden im Auge behalten, ob wir Aufträge an die Werkstatt als Dienstleister geben können. Die Weihnachtszeit bietet sich an, wenn wir Grußkarten oder Geschenke für unsere Geschäftspartner brauchen, Kalender z.B. Ich kann mir auch vorstellen, Holzspielzeug der Werkstatt zu kaufen und an einen bestimmten Kindergarten in unserer Umgebung zu spenden.

Wie unterstützen Sie Aktion Kaffeekasse?
Wir haben uns zwei pw°-Spendendosen besorgt, die wir an andere Unternehmen weitergeben werden. Wir sehen uns gerade um, welche Unternehmen sich sozial engagieren und auch der Idee der Aktion Kaffeekasse positiv gegenüber stehen könnten.

Welche Botschaft haben Sie für andere Unternehmen?
Machen Sie mit bei Aktion Kaffeekasse und gewinnen Sie auch andere Unternehmen dafür. So entsteht ein Schneeball-Effekt, bei dem jeder mit nur wenig zu Großem beiträgt.

 

 


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Die Werkstatt in Praunheim


 

Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Frankfurt-Praunheim 

 

Interview mit Siegbert Bogen, Werkstattleiter

Wer wird in der Werkstatt beschäftigt?

In der Werkstatt können Menschen beschäftigt werden, die geistig behindert sind bzw. so eingestuft werden. De facto haben wir eine große Bandbreite unterschiedlicher Fähigkeitsniveaus. Von Menschen, die weder lesen noch schreiben können, bis z.B. den Mitarbeitern unserer Scan-Abteilung, die eine anspruchsvolle Arbeit erledigen und denen man eine Behinderung nicht unbedingt anmerkt.

Was ist das vorrangige Ziel der Beschäftigung?
An erster Stelle steht die Aufgabe der Rehabilitation, also die Förderung des einzelnen durch die wertschöpfende Tätigkeit. Die Auftragserfüllung für den Kunden ist aber auch sehr wichtig, denn wir treten am Markt als ganz normales Dienstleistungsunternehmen auf.

Woher kommen die Beschäftigen?
Auch das ist unterschiedlich. Die meisten kommen nach Abschluss der Schule, in der Regel ist das die Schule für praktisch Bildbare, über die Vermittlung der Agentur für Arbeit. Manche kommen aber auch aus anderen Werkstätten z.B. wegen eines Wohnungswechsels. Zunehmend stellen wir fest, dass Klienten sich zunächst mehrere Einrichtungen anschauen, bevor sie sich für eine entscheiden.

Wie ist die Werkstatt strukturiert?
Der Arbeitsbereich der Werkstatt ist in verschiedene Werkgruppen unterteilt: Schreinerei, Druckerei, Gärtnerei, Konfektionierung usw. Ungefähr 170 Menschen arbeiten je nach ihren Fähigkeiten in einer dieser Werkgruppen.
Daneben gibt es den Berufsbildungsbereich mit ca. 16 bis 18 Personen und als drittes eine Gruppe langjährig Beschäftigter, die wir auf den Übergang in den Ruhestand vorbereiten. Dort arbeiten ca. 10 Menschen im höheren Lebensalter.

Was ist eine Tagesförderstätte (TaFö)?
In der TaFö werden Menschen mit schwersten Behinderungen betreut, die einen hohen Pflegebedarf haben und den Anforderungen der Werkstatt oft nicht gewachsen sind. Die TaFö ist der Werkstatt angeschlossen. Dadurch ist ein Austausch und in Einzelfällen auch der Übergang in die Werkstatt möglich. Derzeit bietet die TaFö acht Betreuungsplätze. Die Nachfrage ist viel höher, aber wir haben in der alten Werkstatt  leider nicht genug Platz, um ihr nachzukommen.

Wie sieht ein Arbeitstag in der Werkstatt aus?
Um acht Uhr werden die Werkräume geöffnet. Je nach Gruppe und Aufgabe geht jeder an seine Arbeit. Um halb Zehn  gibt es eine Pause von 25 Minuten und ab 12:15 Uhr eine halbstündige Mittagspause. Die Beschäftigten nehmen im großen Speisesaal ihr Essen ein, nutzen den schönen Innenhof, spielen im Eingangsbereich Tisch-Kicker oder gehen spazieren, z.B. in den nahegelegenen Ortskern. Dort sind sie schon bestens bekannt und gern gesehen.
Um 16 Uhr endet der Arbeitstag. Wer nicht zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kommt, wird mit einem Bus befördert. Auch dafür ist die pw° zuständig.

Wie wird die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten eingeschätzt?
Schon mit dem Antrag auf Aufnahme in die Werkstatt durchlaufen die Menschen eine Reihe von Einstufungen. In unserem Berufsbildungsbereich oder durch ein Praktikum wird dann festgestellt, welche Potentiale vorhanden sind. Dementsprechend bekommen sie einen Platz in einer der Werkgruppen. Der zuständige Gruppenleiter fördert die vorhandenen Fähigkeiten und entwickelt sie an konkreten Arbeitsaufgaben weiter.

Welche Sorgen gibt es im Arbeitsalltag?
Die größten Sorgen machen mir die sich tendenziell verschlechternden finanziellen Rahmenbedingungen.
Aber auch unsere Aufgabe der Betreuung und Förderung wird schwieriger, weil die Schwere der Behinderungen und damit der Betreuungsaufwand zunimmt: Menschen mit schwersten geistigen und körperlichen Behinderungen sind oft nicht in der Lage, überhaupt am Werkstattleben teilzunehmen.
Ein anderes Problem ist die Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten bei den Beschäftigten. Es ist vor allem aggressives Verhalten, das auf sich selbst oder gegen andere gerichtet ist und sogar so weit geht, daß eine ganze Gruppe gestört wird. Unsere Mitarbeiter werden deshalb intern geschult, um mit Aggression und Konfliktsituationen angemessen umgehen zu können.
Im übrigen stelle ich aber auch fest, dass es generell eine gesellschaftliche Entwicklung gibt, die Gewalt fördert: die Tendenz zum egoistischen Handeln, egal, ob dieses Handeln anderen Schaden zufügt oder nicht und von diesem Trend bleibt leider auch die Werkstatt nicht unberührt.

Welche Möglichkeiten der Mitsprache oder Mitgestaltung haben die Beschäftigten?
Jede Werkgruppe hat einen oder mehrere Gruppensprecher. Sie sind in der Regel sehr aktiv. Sie stellen auch den Werkstatt-Rat, der sich regelmäßig trifft und Kritik, Wünsche und Vorschläge formuliert. Die Regelung der Pausen z.B. wurde auf diesem Weg erarbeitet und schließlich allen Beschäftigten zur Abstimmung vorgelegt.
Die Interessenvertretung der Beschäftigten an sich ist Teil unserer Förderarbeit. Wir wollen, daß die Beschäftigen fähig sind, eigene Interessen wahrzunehmen und sie zu vertreten. Sie müssen auch nicht als Bittsteller auftreten. Es ist manchmal erstaunlich, wie viele unmündig gehalten werden, obwohl sie viel selbständiger sein könnten.

Wie haben sich die Werkstätten in den letzten Jahren verändert?
Allgemein gesehen hat sich die Rolle der Werkstätten in den letzten Jahren in verschiedener Hinsicht geändert. In den 50er und 60er Jahren gab es einen großen Bedarf an Arbeitskräften in der Industrie. In dieser Zeit wurden Werkstätten quasi zu verlängerten Werkbänken. In den letzten Jahren hat sich dagegen ein deutlicher Trend zu Dienstleistungen vielfältiger Art entwickelt.
Infolge der heutigen medizinischen Möglichkeiten haben wir zudem eine Zunahme von Schwerst-Behinderungen, der mit einem höheren Betreuungsanspruch einhergeht.
Auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Behinderung hat sich ein Wandel vollzogen. Der Umgang damit ist offener geworden: Es ist keine Schande mehr, ein behindertes Kind zu haben.  Vielmehr wird es zur Selbstverständlichkeit, behinderte Menschen an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Trotzdem ist die Mehrzahl unserer Beschäftigten im Moment noch nicht in der Lage, sich ganz normal in der Gesellschaft zu bewegen und sich z.B. einem Sportverein anzuschließen.

Was bedeutet das für die Werkstätten?
Die Arbeit in der Werkstatt strukturiert für die meisten Beschäftigten den Tag und ist ein Teil ihrer Selbstverwirklichung. Die Werkstatt ist der primäre Ort sozialer Kontakte, hier spielt sich gewissermaßen das Leben ab. Manche Beschäftige verzichten deshalb sogar auf ihren Urlaub. In Zukunft muss das Angebot der Werkstatt deshalb über die Arbeit hinausgehen. Das Leben neben oder nach der Arbeit spielt eine wichtige Rolle. Kunst und Kultur erhalten darum einen höheren Stellenwert bei uns, z.B. Arbeiten im Malatelier oder das Theaterprojekt. Wir freuen uns deshalb darauf, daß mit dem Neubau auch Räume für diese Angebote entstehen können.

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Die Aufgabe von Werkstätten


Wolfgang Trunk

Die Aufgabe von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)

Interview mit Wolfgang Trunk, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der WfbM Hessen

Was ist der Auftrag der Werkstätten?
Kernaufgabe der Werkstätten ist die Habilitation durch Arbeit. Im Zentrum des Geschehens steht die wertschöpfende Tätigkeit. Durch ihre Arbeitsleistung erfahren die behinderten Mitarbeiter, dass sie für die Gesellschaft eine Bedeutung haben. Die Auseinandersetzung mit der Realität im Rahmen der Arbeit birgt darüber hinaus Möglichkeiten des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung.

Für wen sind Werkstätten sinnvoll?
Die Werkstätten sind die richtige Einrichtung für Personen, die behindert sind, die sich im Erwerbsalter befinden, die aber nicht erwerbsfähig sind. Das sind Personen, deren Einsatzfähigkeit und Leistungsfähigkeit so eingeschränkt ist, dass sie in regulären Betrieben nicht arbeiten können.

Wer wird in den Werkstätten beschäftigt?
Von allen Behinderten in Deutschland machen die Werkstattmitarbeiter etwa 4 Prozent aus. Weit überwiegend arbeiten in Werkstätten Personen, die mit einer Behinderung auf die Welt gekommen sind. Vier Fünftel der Werkstattmitarbeiter sind geistig behindert; etwa ein Fünftel der Mitarbeiter sind Personen mit psychischen Störungen.

Wie hoch ist die Zahl der Personen, die in Werkstätten arbeiten?
In Deutschland sind es 270.000 Mitarbeiter, davon in Hessen etwa 17.000. Die Praunheimer Werkstätten beschäftigen rund 700 behinderte Personen.

Welchen Beitrag leisten Werkstätten zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen?
Die meisten Beschäftigten einer Werkstatt verbleiben dort, bis sie in Rente gehen. Ihr Berufsleben ist gleichbedeutend mit ihrer Arbeit in der Werkstatt. Ohne die Werkstätten hätten diese Personen keine Chance auf eine berufliche Teilhabe.

In den letzten Jahren sind die Zugänge zu den Werkstätten gestiegen; wie erklärt sich das?
Die Zugänge sind relativ stabil, aber die Zahl der besetzten Plätze hat sich stetig erhöht. Das liegt daran, dass das Fließgleichgewicht zwischen Aufnahmen und Abgängen noch nicht erreicht ist. Der entscheidende Faktor ist hier die verzerrte Alterstruktur der Behinderten aufgrund der sogenannten Euthanasiepolitik des deutschen Faschismus. Erst jetzt werden die Ersten 65 Jahre alt und verlassen die Werkstatt, um in Rente zu gehen. Ein weiterer Faktor ist die Tatsache, dass die Lebenserwartung bei den Behinderten gestiegen ist; schließlich spielt noch eine Rolle, dass behinderte Personen heute systematisch in das Hilfesystem einbezogen werden.

Ziel der Politik ist es, Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt einzugliedern. Bei wie vielen Menschen gelingt diese Eingliederung?
Von den 17.000 Werkstattbeschäftigten in Hessen wechseln nur 0,3 % in den allgemeinen Arbeitsmarkt; das sind etwa 47 Personen im Jahr. In den anderen Bundesländern ist das auch so.

Was halten Sie angesichts dessen von dem Ziel der Eingliederung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt?
Für eine geringe Zahl von Grenzfällen ist dieses Ziel sinnvoll. Für das Gros der Mitarbeiter geht es darum, dass sie in den Werkstätten gute Möglichkeiten vorfinden, sich persönlich zu entwickeln und ihre soziale Integration zu gewährleisten.

Ist es nicht auch für die Klientel der Werkstätten, in der Regel als geistig oder psychisch behinderte Menschen, möglich, auf einem „normalen“ Arbeitsplatz zu bestehen?
Es ist möglich, aber es gelingt nur in Einzelfällen, wie die Zahlen belegen. Das liegt nicht an einem Mangel an besetzbaren Arbeitsplätzen, sondern am Fähigkeitsniveau der Personen. Im Übrigen geht es auch um die mittelfristige Perspektive: Selbst wenn eine Person aktuell auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kann, dann heißt das noch lange nicht, dass sie in einem halben Jahr noch immer dazu in der Lage wäre. Von Jenen, die aus der Werkstatt ausscheiden, um in eine reguläre Beschäftigung zu wechseln, kommen nicht wenige wieder zurück. Zu beachten ist hier auch das langfristige Interesse an sozialer Sicherung, das gerade bei behinderten Personen ins Gewicht fällt. Wer in der Werkstatt arbeitet, bekommt später eine Rente, die der Durchschnittsrente entspricht; das ist deutlich besser als der Bezug von Sozialhilfe.

Was wäre ein Ansatzpunkt wenn es um die Eingliederung von Behinderten in den allgemeinen Arbeitsmarkt geht?
Die beständige Rede von der "Eingliederung" verstellt den Blick auf die Realität. Wenn wir uns die große Masse der Behinderten anschauen, dann sehen wir vor allem das Problem der Ausgliederung aus dem Arbeitsleben aufgrund erworbener Schäden. 2,5 Millionen Menschen in Deutschland befinden sich noch im erwerbsfähigen Alter, haben aber aufgrund erworbener Behinderungen ihre Arbeit vorzeitig verloren; das sind fast zehnmal soviele Personen wie die Werkstattmitarbeiter, und sie leben alle von sozialen Transferleistungen. Es wäre also viel wichtiger, diesen Ausgliederungsprozess zu bremsen, statt den politischen Focus auf die Eingliederung zu legen.

Werkstätten sind Orte beruflicher Teilhabe für behinderte Menschen; wie haben sie sich in den letzten Jahren geändert?
Heute sind die Werkstätten nicht mehr "Werkstätten" im engeren Sinn des Wortes. Die großen WerkstattTräger, auch die Praunheimer Werkstätten, begreifen sich als Systemanbieter der beruflichen Teilhabe. Das heißt, es geht darum all' denjenigen etwas anbieten zu können, für die eine Teilhabe am Berufsleben biographisch aktuell ist, die aber am regulären Arbeitsmarkt keine Chance haben.

Was bedeutet das Leitbild der Werkstatt als Systemanbieter?
Zwischen der Werkstatt und dem allgemeinen Arbeitsmarkt gibt es viele Stufen des Übergangs, zum Beispiel Praktika, Außenarbeitsgruppen in regulären Betrieben oder Integrationsfirmen; im Vorfeld der Werkstätten gibt es Tagesförderstätten. Und es gibt Übergänge zwischen diesen Einrichtungen, die bis hin zur Vermittlung am allgemeinen Arbeitsmarkt reichen. Die verschiedenen Hilfen bilden ein vernetztes System von Einrichtungen und Angeboten unter dem gemeinsamen Dach eines Trägers; es ermöglicht eine Vielzahl von individuellen Lösungen des Arbeitseinsatzes und der persönlichen Entwicklung.

Welche Herausforderungen kommen auf die Werkstätten zu?
Mit dem Leitbild des Systemanbieters sind die Werkstätten auf dem richtigen Weg. Dieser Prozess muss weiter vorangetrieben werden, sowohl im Hinblick auf die konzeptionelle Entwicklung der beruflichen Bildung, als auch im Hinblick auf die innere Differenzierung, also mit Blick auf die Art und das Niveau der Arbeitsangebote. Darüber hinaus werden sich die Werkstätten sozialpolitisch stärker positionieren müssen. Immerhin sind die Werkstattmitarbeiter in Deutschland die einzige Gruppe, für die es ein Recht auf Arbeit gibt; vor dem Hintergrund der kommunalen Finanzkrise wird dieses Recht schleichend in Frage gestellt. Da ist von den Werkstätten ein Mehr an Interessenvertretung gefragt.

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Kunst aus den Praunheimer Werkstätten

Interview mit Inkritt Störkel,

Leiterin des Malateliers der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Frankfurt-Praunheim

Sie leiten seit 2005 das Atelier in der Werkstatt Praunheim. Wie sieht so ein Vormittag im Atelier aus?

 Das Atelier in Praunheim ist Dienstagmorgen von 8.00 bis 12.00 Uhr geöffnet. Zurzeit arbeiten dort vierzehn Frauen und Männer. Etwa ein Drittel bleibt den ganzen Vormittag, manche kommen morgens für etwas zwei Stunden und gehen dann wieder an ihren gewohnten Arbeitsplatz; andere wiederum kommen erst nach der Pause um 10 Uhr. Das ist sehr unterschiedlich. Ich arbeite sehr individuell mit den Leuten und schaue, wo ihre Interessen und Bedürfnisse liegen. Wenn jemand neu im Atelier anfängt, zeige und erkläre ich zunächst, welche Materialien es gibt, z.B. Pastellfarben, Acryl, Bleistift oder Aquarell. Dann suchen wir gemeinsam einen Bildträger aus, sei es Leinwand, Karton oder Papier. Einige haben vielleicht schon mal zu Hause gemalt, aber in der Regel sind sie mit den verschiedenen Techniken nicht vertraut. Es ist ein behutsames Heranführen. Manche brauchen lange, bevor sie zu arbeiten beginnen, und fangen erst an, wenn alles an ihrem Platz liegt. Manche arbeiten sehr schnell, andere brauchen mehrere Wochen, ja Monte, um ein Bild fertigzustellen.

 

Können die Künstler ihre Themen frei wählen oder gibt es bestimmte Vorgaben?

Ganz selten nur arbeiten alle gleichzeitig an einem vorgegebenen Thema. Ich hole immer Sach- und Kunstbücher aus der Stadtbücherei und besorge auch verschiedene Zeitschriften mit Illustrationen, die als Vorlage dienen können. Einige Künstler – wie etwa Andreas Skorupa – lassen sich sogar von Werbeanzeigen inspirieren. Oder aber es wird nach der Natur gearbeitet. Wolfgang Bielaczek etwa hat über einen langen Zeitraum Pflanzen gezeichnet, die ich ins Atelier mitgebracht habe. Andere wie Gülay Ülger und Stefan Belloff malen ungegenständlich. Die meisten arbeiten nach gedruckten Vorlagen, die dann aber frei umgesetzt werden. Wenn sich jemand zu stark an der Vorlage orientiert, schaue ich, dass ich ihn in eine andere Richtung lenke. Denn es geht ja nicht darum, eine Vorlage möglichst genau abzumalen, sondern mein Ziel ist es, die jeweilige individuelle Begabung zu fördern und die Kreativität zu intensivieren.

 

Was beeindruckt Sie am meisten bei den Künstlern der pw°-Ateliers?

Am meisten beeindruckt mich die Qualität dieser Werke. Ich kann mich noch genau erinnern, als ich anfing, in den Praunheimer Werkstätten zu arbeiten. Damals habe ich in der Werkstatt Höchst zum ersten Mal künstlerische Arbeiten von Menschen mit geistiger Behinderung gesehen. Ich war erstaunt und verblüfft über die hohe Qualität der Arbeiten. Ich habe sehr schnell begriffen, dass sich das Bild von Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit durch das künstlerische Tun revidieren lässt. Man nimmt nicht mehr das Defizitäre, sondern die künstlerisch-kreative Leistung wahr.

 

Sie selbst sind Künstlerin, ehemalige Städelabsolventin. Beeinflusst die Arbeit im Atelier der pw° auch ihr eignes künstlerisches Schaffen?

Alles, was ein Mensch tut und erlebt, schlägt sich in seinem Denken und Handeln nieder. Insofern glaube ich, dass die Arbeit im Atelier der pw° indirekt auch meine eigene künstlerische Arbeit berührt. Es ist jedoch so, dass ich dies nie explizit zu einem Thema oder Gegenstand meiner künstlerischen Tätigkeit gemacht habe.

 

Was wünschen Sie sich in Zukunft für das pw°-Atelier?

Das Arbeiten im Atelier ist sowohl zeitlich als auch räumlich bislang sehr begrenzt. Ich weiß aber, dass ein ganz großes künstlerisches Potenzial in den Praunheimer Werkstätten brachliegt. Und deshalb wünsche ich mir, dass die Verantwortlichen diesen Schatz immer mehr erkennen und, dass man gemeinsam nach Lösungen und Möglichkeiten sucht, wie sich die Arbeit im Atelier ausbauen lässt. Ich könnte mir vorstellen, dass das Atelier während der ganzen Woche geöffnet ist. Dann könnten die Menschen sich intensiver künstlerisch entwickeln. Ja, ich könnte mir gut vorstellen, dass eine Gruppe von Künstlern jeden Tag ins Atelier kommt und ganz regelmäßig, wie Berufskünstler etwa, künstlerisch tätig ist.

 

Das Interview führte Anna Meseure

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Ansätze zum Umgang mit Behinderung

PW Brosch. C60Wird der Mensch erkannt – oder wird die Behinderung erkannt? Was wissen Menschen ohne Behinderung von der Lebensrealität der Menschen mit Behinderung? In unseren Themen werfen wir einen Blick in unterschiedliche Bereiche des Alltags von Menschen „mit“ und „ohne“ …

 

 

 

Denk- und Handlungsansätze zum Umgang mit Behinderungen in unserer Gesellschaft

Interview mit Friederike Schlegel, Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der Stadt Frankfurt am Main


Ihre Aufgabe ist die Vertretung der Interessen von Menschen mit Behinderung. Was definiert „Behinderung“?
Im Behindertengleichstellungsgesetz § 3 wird Behinderung wie folgt definiert:
Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.
Behinderung definiert sich aber auch über das Selbstverständnis einer Gesellschaft und des Einzelnen und über das Verhältnis zwischen einander. Eine funktionale Einschränkung wird oft erst zur Behinderung, wenn die Gestaltung der Umwelt nicht barrierefrei ist.

In den letzten Jahren wurde das Konzept der Diversity diskutiert. Worin liegt seine Bedeutung?
Diversität weißt darauf hin, dass jeder Mensch individuell unterschiedlich ist.
Der Begriff Diversity kommt aus dem Englischen und steht für Vielfältigkeit, Verschiedenheit. Er wird auch als ein moderner Gegenbegriff zu Diskriminierung verwendet, um antidiskriminierende Maßnahmen argumentativ zu bündeln
Natürlich ist unsere Gesellschaft nicht homogen. Probleme entstehen meist dann, wenn Minderheiten zu „Randgruppen“ werden. Der Grundgedanke des Diversitäts-Konzeptes beruht darauf, dass Individuen durch ihre Unterschiedlichkeit die Gesellschaft bereichern..

2009 trat auch in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft. Sie fußt auf dem Grundsatz der Inklusion. Was bedeutet Inklusion?
Inklusion bedeutet „Teilhabe für alle von Anfang an“. Die einzelnen Lebensbereiche müssen von vorne herein so gestaltet sein, dass sie für alle gleichermaßen zugänglich und nutzbar sind und niemanden ausschließen. Dies gilt für das Bildungs- und Erziehungssystem, die Arbeitswelt, das Gesundheitswesen, ebenso wie für das kulturelle und soziale Leben. Im Zentrum steht die Selbstbestimmung des Menschen und die Möglichkeit der Teilhabe.
Hingegen sieht das bisherige Konzept der Integration vor, Menschen in ein bereits bestehendes System einzugliedern. Hier müssen sich die Menschen dem System anpassen. Beim Inklusionskonzept dagegen muss sich das System den Menschen anpassen.

Die UN-Konvention spricht auch von einem inklusiven Arbeitsmarkt. Was stellen Sie sich darunter vor in Bezug auf Menschen mit „geistiger Behinderung“?
Angesichts heutiger Bedingungen des Arbeitsmarktes ist es sicher nicht einfach, Menschen mit „geistiger Behinderung“ auf den allgemeinen Arbeitsmarkt einzugliedern. Aber auch hier muss man individuell betrachten, was möglich ist. Meines Erachtens gäbe es Möglichkeiten, Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, bei denen die Fähigkeiten dieser Menschen zur Geltung kommen können. Unter der Voraussetzung, dass betriebliche Ansprechpartner zur Verfügung stehen und Anleitung oder Arbeitsassistenz gewährleistet ist, besteht die Möglichkeit, Arbeitsplätze oder angeleitete Hilfstätigkeiten in sozialen Einrichtungen z.B. im Hauswirtschaftsbereich, einzurichten. Auch im direkten Betreuungsdienst in Einrichtungen für Seniorinnen zur Unterstützung im alltäglichen Leben, wie Einkaufshilfen, Vorlesen etc.
Im Hotel- und Gaststättenbereich gibt es bereits einige erprobte und bewährte Konzepte, bei denen z.B. Menschen mit Down-Syndrom im Küchen- und Servicebereich ihre besonderen sozialen und zwischenmenschlichen Kompetenzen einbringen

Welche Hürden sehen Sie derzeit bei der Inklusion von Menschen mit „geistiger Behinderung“ in Frankfurt?
Problematisch ist, davon auszugehen, dass Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung generell nicht in der Lage seien, ein eigenständiges Leben zu führen. Das ist jedoch teilweise mit entsprechender Anleitung und Betreuung durchaus möglich. Darüber hinaus bedarf es, übrigens nicht nur in Frankfurt, größerer gesellschaftlicher Akzeptanz und  Respekt für das Anderssein.

Welchen Schwierigkeiten stellen sich Menschen mit Behinderung generell im Laufe ihres Lebens?
Die Schwierigkeiten beginnen bereits mit unserem ausgeprägt separierenden Bildungssystem. Wir haben ein gutes System der Frühförderung für Kinder unter 3 Jahren, das sich auch noch im Kindergarten und bis zur Beendigung der Grundschule fortsetzt. Danach werden Kinder mit Behinderungen häufig auf die Förderschulen verwiesen.
Mit diesem Schulabschluss finden junge Menschen mit Behinderung meistens keinen Ausbildungsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.  Absolventen von Berufsförderungswerken haben vergleichsweise bessere Vermittlungschancen, da sie bei der Jobsuche aktiv von der Ausbildungsstätte unterstützt werden.

Wie ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt?
Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist es für Menschen mit Behinderung nicht leicht Fuß zu fassen. Wenn Menschen keinen Arbeitsplatz haben, sind sie von sozialen Leistungen abhängig. Die damit verbundene niedrige soziale Stellung, führt häufig zu einem geringeren Selbstwertgefühl. Dies zieht sich hindurch bis ins hohe Rentenalter. Es ist daher wichtig, dass Unternehmen auch behinderten Menschen die Möglichkeit  geben, sich zu beweisen. Es ist durchaus möglich, z.B. über befristete Verträge Erfahrungen miteinander zu erproben und bei positiver Entwicklung die Verträge zu verlängern. Viele Unternehmen gehen bisher folgenden Weg: Langjährige Mitarbeiter, die im Laufe der Erwerbstätigkeit eine Behinderung „erwerben“, lassen sich auf Anraten der Personalvertretungen einen Schwerbehindertenausweis ausstellen. Dies erhöht die einzuhaltende Quote im Betrieb, ohne Neueinstellungen vornehmen zu müssen.

Werkstätten bieten Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz. Welche Forderungen oder Wünsche würden Sie an die Trägerorganisationen stellen?
Wesentlich ist, dass die Werkstätten individuelle und differenzierte arbeitspädagogische Förderangebote organisieren und bereitstellen.
Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, die Menschen zu möglichst  hoher Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit anzuleiten und zu ermutigen.

Was brauchen die Werkstätten dafür?
Mehr Personal mit arbeits- und sozialpädagogischer .Kompetenz sowie entsprechender finanzieller Ausstattung.

An welcher Stelle sehen Sie die Politik in der Pflicht?
Politiker müssen erkennen und akzeptieren,  dass es sich bei Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft um einen weitaus größeren Personenkreis handelt, als bisher angenommen und der sich in nächster Zukunft noch schneller als bisher vergrößern wird.  Dieser Personenkreis wird sich künftig insbesondere durch die Auswirkungen von altersbedingten Entwicklungen wie mobile, sensorische oder kognitive  Einschränkungen vergrößern. Während derzeit viel Geld in die Wirtschaft investiert wird, werden gleichzeitig Einsparungen im Sozialsystem vorgenommen. In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr Menschen, denen es nicht ermöglicht wird, ein würdevolles Leben, insbesondere im Alter, zu führen. Diese Entwicklung erfordert ein Umdenken auf allen Seiten. Die Bundesrepublik hat sich mit Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, diese Inhalte umzusetzen. Es ist im Zuge dessen zwingend notwendig, dass Menschen mit Behinderung bei Prozessen der Gestaltung unserer Umwelt  einbezogen werden, um die gesellschaftliche Teilhabe in jedem Altersabschnitt zu garantieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

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